Auszeichnungen:   Theodor-Heuss-Medaille 2008    |    EMIL - Kriminalpräventiver Jugendhilfepreis 2008    |    Deutscher Lesepreis 2017    |    wirkt!-Siegel PHINEO 2019

Aufgaben & Ziele

Grundlagen

Gesetzliche Grundlagen unserer Arbeit

Das Fanprojekt Dresden ist eines von ca. 60 sozialpädagogischen Fanprojekten in Deutschland und orientiert sich an den gesetzlichen Bestimmungen des SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) und am „Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“. Für uns ist der grundlegende Handlungsansatz die Mobile Jugendarbeit, die schwerpunktmäßig die §§ 11 und 13 SGB VIII verbindet und darüber hinaus verschiedene Methoden der Sozialen Arbeit bündelt. Das Fanprojekt Dresden als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe verfolgt in erster Linie sozialpädagogische Ziele. Insbesondere sollen Stigmatisierungen jugendlicher Fußballfans verhindert bzw. abgebaut werden und die Aneignung des Sozialraums Fußballstadion (und darüber hinaus) unterstützt werden.

Daneben wird die Entwicklung und Verstetigung einer sportlich fairen, toleranten Fankultur und die Eindämmung von Gewalt in ihren vielfältigen Formen angestrebt. Darüber hinaus soll der Abbau von menschenfeindlichen und extremistischen Haltungen gefördert werden.

Was bedeutet das konkret?

bedeutungWir sind eine Anlauf- und Beratungsstelle für alle Fans, Fußballinteressierte und den Verein SG Dynamo Dresden. Dazu stehen wir bei Problemen als Ansprechpartner zur Seite und vermitteln bei Bedarf auch an andere Einrichtungen. Außerdem bieten wir unsere Unterstützung beim Ausleben der Fankultur (z.B. bei der Herstellung von Fahnen) und anderen Aktionen rund um den Fußball in Dresden an. Wir vermitteln bei Konflikten zwischen Fans und Polizei, den Ordnungskräften oder dem Verein und beraten Fans zum Thema Stadionverbot oder persönlichen Problemen. Zusätzlich bieten wir jugendlichen Fußballfans die Möglichkeit, in unserem FANHAUS mit Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen und eigene Veranstaltungen umzusetzen.

Regelmäßig gibt es in unseren Räumlichkeiten unterschiedliche Veranstaltungen. Dazu gehören u.a. Lesungen, Podiumsdiskussionen und Angebote für jüngere Fans. Jugendliche haben bei uns die Möglichkeit, durch Mitwirkung an verschiedenen Projekten gemeinnützige Stunden abzuleisten. Ein wichtiger Bereich unserer Arbeit ist die Begleitung der Dresdner Fußballfans bei den Heim- und Auswärtsspielen der SG Dynamo Dresden. Wir sind bei den Spielen der SG Dynamo Dresden anwesend und vermitteln bei Problemlagen.

Darüber hinaus bieten wir Schulklassen in unserem Lernzentrum im Stadion verschiedene Workshops (FairPlay, Gewalt im Abseits, Der Ball ist bunt) an. Unsere Räumlichkeiten für die außerschulische Bildung befinden sich im sogenannten „Stadionknast“, einem der außergewöhnlichsten Lernorte Dresdens. In Workshops und Projektwochen beschäftigen sich Kinder und Jugendliche mit Themen wie Diskriminierung, Fair Play, Gewalt- und Konfliktprävention. Die Nähe zur SG Dynamo Dresden, die besondere Atmosphäre des Stadions und die zum Teil fußballspezifischen Inhalte und Methoden wirken dabei motivierend auf Kinder und Jugendliche.

Das Fanprojekt verfolgt im Wesentlichen folgende Einzelziele (analog des Nationalen Konzeptes Sport und Sicherheit):

  • Reduzierung und Abbau von Gewaltformen innerhalb und außerhalb des Stadions bei Fußballspielen sowie delinquenter oder Delinquenz begünstigender Verhaltensweisen durch adressaten-/arbeitsfeldspezifische lebensweltnahe Interventionen
  • Arbeit im Präventivbereich (z.B. Hinführung zu gewaltfreien Konfliktlösungen)
  • Eindämmung von menschenfeindlichen und extremistischen Erscheinungen
  • Schutz und Förderung der jugendlichen fußballspezifischen Subkultur und ihrer typischen Selbstorganisationsprozesse sowie Unterstützung von Selbstregulierungsmechanismen innerhalb der Fanszene
  • Sensibilisierung- und Informationsaktivitäten gegenüber der Öffentlichkeit sowie Interessenvertretung gegenüber Behörden und Institutionen

Handlungsansätze:

  • Akzeptanz und Förderung der spezifischen jugendkulturellen Entfaltungs- und Auseinandersetzungsprozesse der Jugendlichen innerhalb ihrer Lebenswelt als Fußballfan unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse
  • Steigerung von Selbstvertrauen und Selbstrespekt und Förderung von Lebenskompetenz sowie die Fähigkeit und Bereitschaft zur Suche nach Verhaltensalternativen
  • Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, Unterstützung bei der Entwicklung eigener kultureller, politischer und gesellschaftlicher Werte und Vorstellungen (Bildungsfunktion)
  • Förderung von sinnvollen Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten
  • Entwicklung und Initiierung von spezifischen Einzelprojekten zur Gewaltprävention
  • Ermöglichung von Kontakten und Gemeinschaftserlebnissen
  • Regelmäßige Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit sowie aktive Mitarbeit bei Arbeitsgruppen und Gremien
  • Aufbau und Pflege von Kooperationsbeziehungen zu Behörden, Institutionen, Vereinen und Initiativen

Das Fanprojekt leistet vor allem Vermittlungs- und „Übersetzungsarbeit“ zwischen der Welt der jugendlichen Fußballfans und den Institutionen. Dadurch tragen wir zur Deeskalation und einem toleranteren gegenseitigen Verständnis bei. So kann das in der öffentlichen Debatte mit Vorurteilen und Stereotypen behaftete und in den Medien als bedrohlich bezeichnete Jugendphänomen thematisiert, interpretiert und realistisch dargestellt werden. Ferner wird in öffentlichen Debatten auf Konflikte und Probleme im sozialen Nahraum Fußball und Stadion aufmerksam gemacht und Vorschläge zum qualifizierten Umgang mit jugendlichen Fußballfans unterbreitet. Fanprojekt-Arbeit leistet also gezielte Öffentlichkeitsarbeit im Sinne von praktizierter Lobby-Arbeit als eine Art Interessensvertretung für die Belange der AdressatInnen.

Die Sichtweisen und Problemstellungen von Jugendlichen in ihrem Lebensumfeld sollen in gesellschaftspolitischen Zusammenhängen transportiert werden. Gleichzeitig erfolgt eine Information der Fußballfans über das öffentliche Empfinden ihrer Aktionen und Handlungen und das Aufzeigen von konstruktiven Lösungsansätzen zum beiderseitigen Vorteil. Gerade durch die Information der Presse/Öffentlichkeit können bestehende Vorurteile und Ängste gegenüber Fußballfans abgebaut werden.