Auszeichnungen:   Theodor-Heuss-Medaille 2008    |    Deutscher Lesepreis 2017    |    EMIL - Kriminalpräventiver Jugendhilfepreis 2008

Vortrag „Die Fußball-WM 2014 in Brasilien – eine kritische Betrachtung“

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Unter dem Motto „Die Fußball-WM 2014 in Brasilien – eine kritische Betrachtung“ startete der Einführungsvortrag in unsere Veranstaltungsreihe anlässlich der Weltmeisterschaft. Jonas, der in Südamerikas größtem Staat die Anfänge der Protestbewegung vor dem Confed-Cup verfolgte, gab den Zuhörern einen bildhaften und kritischen Blick auf die sozialpolitischen Probleme im Land. Sowohl die Schwierigkeiten hinsichtlich Mobilität, Bildungsbarrieren, Vermögensverteilung und Krankenversorgung, als auch „Befriedungspolitik“ in den Favelas durch eine korrupte, militärisch organisierte und brutale Polizei waren teil seiner Ausführungen. Durch die sportlichen Groß-Events kommt es in Brasilien an wichtigen Stellen zum Investitionsstau, sodass das Verständnis in breiten Teilen der Bevölkerung für die erheblichen WM-Ausgaben (allein der Maracanã-Umbau kostet rund 320 Millionen Euro) nicht mehr vorhanden ist. Das Land investiert 10,5 Milliarden Euro in die Weltmeisterschaft. Die WM-Einnahmen 2014 belaufen sich für die FIFA auf 3,3 Milliarden Euro, nach Abzug der notwendigen Kosten bleiben dem Verband immerhin noch 1,62 Milliarden Euro.

Auch die Konsequenzen der infrastrukturellen Anforderungen an die Fußball-WM für die Einwohner sind teilweise verheerend. So wurde im Zuge des Maracanã-Umbaus die Favela im unmittelbaren Umfeld des Stadions „umgesiedelt“, um die Fläche u.a. für Besucher-Parkplätze nutzen zu können. Zudem entstehen durch die von der FIFA gepachteten Flächen rund um die Stadien regelrechte Steueroasen für Großkonzerne, während der große Bereich der „inoffiziellen“ Arbeit, die viele Menschen in Brasilien ernährt, verdrängt und letztlich verhindert wird.

Wir danken Jonas für seinen eindrucksvollen Vortrag. Weitere Einblicke in die Probleme, die sportliche Veranstaltungen dieser Größenordnung bedeuten erhaltet ihr in der im FANHAUS einsehbaren Ausstellung „Eine WM für alle?“ von den Comitês Populares (WM-Basiskommitees, die den zivilen Widerstand gegen die Verletzung der Menschen- und Bürgerrechte im Zuge der WM 2014 und Olympia 2016 bündeln). Zudem gibt am 27.06. einer der bekanntesten deutschen investigativen Journalisten, Jens Weinreich („Macht, Moneten und Marionetten“), einen Einblick in das System FIFA.