Antwort der Polizei zum Spiel in Bochum

Bildquelle: ultras-dynamo.de

Wie wir in der Auswertung zum Spiel in Bochum im vergangenen August bereits angekündigt hatten, haben wir die von Fans in unserem Auswärtsfragebogen aufgeworfenen Fragen an die Bochumer Polizei weiter geleitet und um Beantwortung gebeten. Im Rahmen des Spiels kam es zu unterschiedlichen Konfliktsituationen zwischen Fans und den Polizeikräften.

Die Antwort der Leiterin der Bochumer Polizeiinspektion 1 (Text im Original, ohne Veränderungen):

Sehr geehrte Damen und Herren des Fanprojektes Dresden e.V.,

die Polizei Bochum möchte ihnen bezüglich ihrer Anfrage zunächst die Gesamtumstände, insbesondere aus der Anreisephase der Dresdner Anhänger darstellen.

Wie bei jedem Fußballspiel des VFL Bochum üblich und auch vorab durch das Fananschreiben mitgeteilt, wurde der P3 eigens für PKW und Busse der Gästefans freigehalten. Ca. 250 Anhänger der Gastmannschaft, welche individuell mit 27 Kleinbussen anreisten, haben dieses Angebot nicht angenommen. Sie parkten im Bereich Stadtpark, um dann fußläufig zum Stadion zu gelangen. Diese Gruppe bestand nach polizeilicher Einschätzung zum Großteil aus bekannten Mitgliedern der Ultragruppierungen der SG Dynamo Dresden.

Um ein Aufeinandertreffen mit den heimischen Problemgruppierungen, die sich regelmäßig in diesen Bereichen aufhalten und anlassbezogene Straftaten zu vermeiden, wurde diese Gruppe zunächst angehalten. Bereits bei dieser polizeilichen Maßnahme, welche individuell kommunikativ begleitet wurde, begingen einige Gästefans Straftaten (Flaschenwürfe in Richtung der Polizeibeamte und körperliches Angehen der Beamten).
Aufgrund dieser Situation wurde von Seiten der Polizeiführung entschieden, diese Fangruppe sowohl auf dem Hin- wie auch dem Rückweg auf einer vorgegebenen Wegstrecke zu begleiten. Dieses wurde unter Zuhilfenahme des Außenlautsprechers eines Polizeifahrzeuges vor Antritt des Hinweges kommuniziert.

1. Weshalb wurde der Rückmarsch auf dem Parkplatz P3 gestoppt?

In der Nachspielphase bestand für die Polizei die Herausforderung, aus der nun vermischten Menge der ca. 1300 Gästefans, die mit den Kleinbussen angereisten Personen von anderen Stadionbesuchern zu unterscheiden.
Diese noch vermischte Gruppe von Gästefans erreichte unter polizeilicher Begleitung das Zwischenziel P3. Hier war vorgesehen, die Abreise der mit PKW und Bus angereisten Gästeanhänger abzuwarten, um diesen eine zügige Abfahrt ohne kreuzenden Fußgängerverkehr zu gewährleisten. Die dann verbleibenden Personen sollten zu ihren Fahrzeugen am Stadtpark begleitet werden.
Obwohl diese Verfahrensweise über alle Kommunikationswege mit dem Fanprojekt, und über den szenekundigen Polizeibeamten kommuniziert worden war, zeigten sich die genannten Gästefans aufgebracht und versuchten aus der polizeilichen Begleitung in Richtung Stadtpark durchzubrechen. Dies galt es angesichts der im Einsatzraum befindlichen potentiellen gewaltbereiten Anhänger des Heimvereins weiterhin zu verhindern.

2. Wie bewerten Sie den Einsatz an dieser Stelle?

Aus polizeilicher Sicht kann der Einsatz und die mit der oben genannten Situation getroffenen Maßnahmen nur positiv bewertet werden, da das oberste Ziel der Polizei die Gefahrenabwehr ist und das Ziel war, Auseinandersetzungen zwischen Heim- und Gästefans zu verhindern und gefahren für dritte Unbeteiligte auszuschließen. Dieses Ziel wurde in diesem Einsatz erreicht.

3. Weshalb verzichteten Sie auf eine Kommunikation via LauKW in Richtung der Fans?

Ein LauKW stand am Einsatztag in Bochum nicht zur Verfügung. Andere Einsatzanlässe in NRW machten es erforderlich, diese an anderer Stelle vorzuhalten. Die Kommunikation auf dem P3 erfolgte per Megafon, im unmittelbaren Dialog über die SKB Dresden sowie über Mitarbeiterinnen des Fanprojektes. Diese Kommunikation wurde allerdings erst angenommen, nachdem die EInsatzbeamtinnen und -beamten konsequent eingeschritten waren.

4. Warum traten viele Polizeibeamte den Gästefans mit einer aggressiven Grundhaltung entgegen (z.B. verbale Herabwürdigungen, provozierende Äußerungen, aggressiver Tonfall, nicht auf Deeskalation aus)?

Wie unter Punkt 1 dargestellt, zeigte sich die polizeilich begleitete Personengruppe, soweit eine Kommunikation überhaupt möglich war, gegenüber den Einsatzbeamten unkooperativ und verbal aggressiv.
Jegliche dadurch erforderlichen Zwangsmaßnahmen wurden getreu der Leitlinie der Polizei NRW kommunikativ begleitet.
In Folge der zunehmend aggressiven Stimmung und der Missachtung polizeilicher Weisungen, wurde die Kommunkation, in der direkten Konfrontation und unter Einsatz unmittelbaren Zwanges deutlicher, klarer und auf das Wesentliche beschränkt.

Wir hoffen die oben genannten Ausführungen können zur Transparenz des polizeilichen Handelns beitragen und zukünftige Einsatzanlässe positiv beeinflussen.

Leider entkräften diese Erläuterungen die zahlreichen kritischen Anmerkungen in den Rückmeldungen der Dynamo-Fans (Download *.pdf) wenig bis gar nicht. Insbesondere nach dem Spiel kam es im Bereich des Parkhauses zu fragwürdigen Verhaltensweisen von eingesetzten Polizeikräften. Die polizeiliche Vorgehensweise, die auch von einzelnen Beamten als „konzeptlos“ bezeichnet wurde, war teilweise extrem aggressiv und ein kommunikatives Desaster. Mit erschreckend niveaulosen verbalen Ausfällen auch gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom Fanprojekt und abfälligen Bemerkungen über Fanbeauftragte und Fanprojekte im Allgemeinen fand der Spieltag seinen Tiefpunkt.

Ergänzung: Leider konnten wir das Schreiben der Bochumer Polizei aufgrund der umfangreichen Auswertung des DFB-Pokal-Spiels in Freiburg und der noch immer laufenden Nachbereitung der Hausdurchsuchungen im Dezember erst jetzt veröffentlichen.